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Actovegin – Umstrittenes Medikament bald auf der Dopingliste?

Vielen Profisportler ist das Medikament Actovegin bekannt. Wir haben es hier mit einer Substanz zu tun, durch die sich wohl die Genesung nach Verletzungen beschleunigen und die Leistung steigern lässt. Auf der Dopingliste sucht man das Mittel vergebens. Aktuell kursieren Beiträge in den sozialen Medien darüber, dass die Tage von Actovegin als dopingfreies Mittel gezählt sein könnten. Forscher an der Universität von Kopenhagen haben demnach den leistungssteigernden Effekt der Substanz in einer Studie nachgewiesen!

Actovegin

Actovegin ist ein Extrakt aus dem Blut von Kälbern, wobei die exakte Zusammensetzung nicht bekannt ist. Der Hersteller Nycomed, Teil von Takeda Pharmaceuticals, verkauft es als Gels, Tabletten und Injektionslösungen. Gerade die zuletzt genannte Kategorie ist sehr populär in Dopingkreisen. Obwohl Actovegin nicht auf der Dopingliste steht, berichten vor allem Ausdauerathleten über dessen leistungssteigernde Auswirkungen.

Nach einer Humanstudie aus dem Jahr 2012, die an der Universität von Cardiff durchgeführt wurde, ist der leistungssteigernde Effekt von Actovegin unwesentlich, was jedoch am Versuchsaufbau zu liegen scheint. Dänische Forscher haben nun eine weitere Studie durchgeführt, die Klarheit in dieser Sache schaffen soll.

Studie

Die Wissenschaftler extrahierten Muskelzelle von acht übergewichtigen und inaktiven Probanden und lösten dann die Membrane dieser Zellen. Sie setzten die Zellen daraufhin zwei unterschiedlichen Konzentrationen von Actovegin aus.

Ergebnisse

Durch die Aussetzung mit Actovegin wurde die ATP Produktion in den Zellen gesteigert.

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Die Forscher konnten zeigen, dass Actovegin Complex-I und Complex-II Enzymsysteme in den Mitochondrien härter arbeiten ließ, wodurch die oxidative Phosphorylierung erhöht wurde. In anderen Worten wurde also das Aufladen beziehungsweise Wiederaufladen der ATP Energiemoleküle verbessert.

Doping oder nicht?

Unter anderem gehört auch Usain Bolt zu den Patienten von Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt.
Unter anderem gehört auch Usain Bolt zu den Patienten von Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt.

Die Wissenschaftler haben laut eigener Aussage einen dosisabhängigen, positiven Effekt in Bezug auf die mitochondriale Funktion in der menschlichen Skelettmuskulatur bei der in-vitro Administration von Actovegin feststellen können. Sollte sich diese Verbesserung in einen ergogenen Effekt bei Elite Athleten übertragen lassen, dann müsse eine Aufnahme von Actovegin in die WADA Dopingliste neu diskutiert werden.

Wie sie selbst feststellen und offen zugeben, sind die Forscher nicht 100% sicher, ob Actovegin wirklich auf der Dopingliste landen wird. Sie sind lediglich der Meinung, dass man den Sachverhalt neu prüfen müsse.

Eine offensichtliche Limitierung der Studie sei natürlich das Fehlen des Vergleichs der beobachteten Erhöhung von mitochondrialer Atemkapazität und Trainingskapazität. Unglücklicherweise aber ist Actovegin ein in Dänemark nicht legales Medikament, weshalb es den Forschern nicht möglich war, diesen Vergleich beim Menschen zu testen.

Die Forscher berichten weiterhin, dass der Effekt von Actovegin von ihnen in permeabilisierten Muskelfasern getestet wurde. Ob es im lebendigen Organismus wirklich die Zellmembrane überschreiten und seine Effekte auf die Mitochondrien ausüben kann, könne man bisher nicht sagen.

Die Muskelfasern, die von den Forschern in ihrem Experiment verwendet wurden, stammten von nicht trainierten Individuen, die im Gegensatz zu Leistungssportlern weit entfernt von ihrem physiologischen Limit seien und demnach ein großes Verbesserungspotenzial aufweisen. Deshalb sei ein möglicher Effekt von Actovegin hier definitiv bemerkbar. Um keinen potenziellen Effekt des Medikaments zu übersehen, wurde das Experiment an untrainierten Probanden durchgeführt. Die Übertragung der Ergebnisse auf Elite Athleten sei aus diesem Grund anfechtbar, so die dänischen Forscher.

Schlussbemerkung

Franck Ribery wurde von Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt mit Actovegin behandelt.
Franck Ribery wurde von Dr. Müller-Wohlfahrt zugegebenermaßen mit Actovegin behandelt.

Auch wenn es die wenigsten von euch wissen, kennen sicherlich alle bereits den einen oder anderen Sportler, der mit Actovegin behandelt wird oder wurde. Zu diesen gehört unter anderem Franck Ribery, Fußballer beim FC Bayern München und ehemaliger Nationalspieler der französischen Nationalmannschaft. Dieser verpasste aufgrund einer Rückenverletzung die WM 2014. Damals entstand ein über die Medien ausgefochtener Streit, in dem der französische Teamarzt den FC Bayern stark kritisierte. Laut ihm werde im deutschen Verein versucht, jede Verletzung mit Spritzen zu behandeln. Dr. Müller-Wohlfahrt, der Mannschaftsarzt des FC Bayern, hat offen zugegeben, Ribery unter anderem mit Actovegin behandelt zu haben.

Zu den Patienten von Dr. Müller-Wohlfahrt gehört übrigens auch Usain Bolt, der jamaikanische Sprint Star, der auch heute noch mehr oder weniger konkurrenzlos im 100 und 200m Lauf ist. Ob auch er mit Actovegin behandelt wurde kann jedoch nicht endgültig gesagt werden. 

Auch Das Erste berichtete Ende 2016 in Form eines Beitrags erneut von Actovegin. Demnach liege der Redaktion von „report München“ eine bislang unveröffentlichte Studie vor, deren Ergebnisse zeigen sollen, dass die Substanz die Proliferation von Myoblasten beziehungsweise das Wachstum von Muskelzellen in signifikantem Ausmaß begünstige. Dr. Müller-Wohlfahrt lehnte ein Interview ab, doch ein weiterer Mediziner, dessen Praxis sich gegenüber der Behandlungsräume des ehemaligen Mannschaftsarzt vom FC Bayern befindet, gibt zusätzliche Auskunft. Actovegin wirke nach Aussage jenes Münchner Arztes zwar kraftsteigernd, immunsystemsteigernd und heilungsfördernd, die Anwendung des Medikaments sei allerdings nicht zu kritisieren.

Als ebenso unbedeutend wird Actovegin von einem Endokrinologen betrachtet, der im Expertengremium der WADA sitzt. Dr. Martin Bidlingsmaier räumt ein, dass die Substanz einen Effekt haben könnte, er sie jedoch nicht als dopingtechnisch relevant ansehe, da die Auswirkungen nicht am menschlichen Subjekt bewiesen seien. Das Vorkommen von Testosteron und Cortisol, das die neue Studie über Actovegin im Präparat selbst zeigt, sei laut Meinung der Müncher Wissenschaftler zudem als zu gering zu bezeichnen. Das sieht man in Salzburg und Nürnberg anders: Prof. Dr. Fritz Sörgel beispielsweise beruft sich auf den WADA Code, demzufolge man auch regenerative Prozesse nicht anstoßen dürfe, um sich einen Vorteil zu verschaffen. Es sei klar: Wer schneller regeneriere, der spiele schneller wieder.

Über einen Anwalt äußerste sich Dr. Müller-Wohlfahrt dann letzten Endes doch noch. Er freue sich über die neue Studie, da nun bewiesen worden sei, dass Actovegin wirke. Den Fund der geringen Testosteronkonzentration in der Substanz schätze er ebenfalls als zu gering ein, um sich systemisch auszuwirken. In einem eigens verfassten Lehrbuch schrieb er in der Vergangenheit jedoch, dass laut WADA keine Wachstumsfaktoren oder hormonähnlichen Bestandteile in Actovegin zu finden seien, was durch die aktuellen Experimente nun widerlegt scheint. Den Kritikern zufolge gehe es auch an sich gar nicht um die geringen Mengen an Testosteron im Medikament, sondern nur darum, dass man eben offen darlegen sollte, was genau enthalten ist. Es sei außerdem festgelegt worden, dass man Testosteron, auch in geringen Dosierungen, nicht von außen zuführen dürfe!

Wir empfehlen euch, den sehr informativen und nur etwas mehr als sechs Minuten langen Beitrag der ARD nachfolgend selbst anzusehen!

https://www.youtube.com/watch?v=eBB7DC5BZ2Y


Quelle: ergo-log.com/actovegin-doping.html
Referenzstudie: dx.doi.org/10.1080/17461391.2015.1130750

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