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Beta-Ecdysteron: PEAK bringt Produkt aufgrund zweifelhafter Studie zurück?!

Ende Juni dieses Jahres, vor nunmehr zwei Monaten also, tauchte eine Studie auf, in der Berliner Forscher beeindruckende Ergebnisse durch die Verwendung des Pflanzensteroids Beta-Ecdysteron nachweisen konnten. Bereits vor einigen Jahren zeigten russische Forscher anhand von Tierversuchen und fragwürdigen Humanstudien, dass der Stoff durchaus das Potenzial besitzt, als effektiver Förderer von Muskel- und Kraftaufbau herangezogen zu werden. Während die Untersuchung an der FU Berlin hingegen direkt von der Welt-Antidoping-Agentur (WADA) finanziert wurde, um herauszufinden, ob man den Spinatextrakt in die Liste der verbotenen Substanzen integrieren müsse, beantworteten die Forscher um den Sportwissenschaftler Eduard Isenmann diese Frage mit einem klaren Ja.

Trotz der Tatsache, dass zu diesem Zeitpunkt noch kein Volltext über das Experiment zur Verfügung stand, stürzten sich zahlreiche Medien auf die vorab veröffentlichten Daten und suggerierten dem Verbraucher, Spinat sei ein Dopingmittel. Zwar war man als gebildeter Leser in der Lage, diese Berichte differenziert zu betrachten, doch kann man dieses Maß an kritischer Betrachtungsweise sicherlich nicht von jedem Otto Normalbürger verlangen, weshalb wir von Gannikus uns schon damals den Behauptungen angenommen und versucht haben, auf Grundlage des zu diesem Zeitpunkt verfügbaren Materials etwas Licht ins Dunkel zu bringen.

Ecdysteron: Sollte Spinat wirklich auf der WADA Dopingliste stehen?

In den vergangenen Tagen sorgte eine Studie der FU Berlin für sehr großes Aufsehen in den Mainstream-Medien. Die Forscher der Universität sollen im Rahmen ihres Experimentes herausgefunden haben, dass ein Extrakt aus Spinat den Muskel- und Kraftzuwachs so stark beschleunige, dass die Substanz in die Liste der verbotenen Substanzen der Welt-Antidoping-Agentur (WADA) aufgenommen werden müsse. […]

Ein Punkt der uns als Experten im Bereich der Supplemente und leistungssteigernder Mittel mit Einblick in die Fitnessindustrie besonders aufgefallen war ist, dass man hier ein Produkt des bekannten Herstellers PEAK AG verwendet hat. Laut des inzwischen verfügbaren Volltextes bestand allerdings keine Affiliation zu dem Hersteller mit Sitz in Luxemburg, der unter anderem als Sponsor einiger deutscher IFBB Pros auftritt. Im Rahmen der Untersuchung verwendeten die Forscher eine Dosierung von zwei und acht Kapseln in den Interventionsgruppen, was gemäß der Deklarierung des damaligen Produktes einem Gehalt von 200 und 800 Milligramm Beta-Ecdysone aus Spinatextrakt entsprechen sollte.

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Es ist jedoch recht ungewöhnlich, dass Wissenschaftler ein handelsübliches Produkt verwenden. Stattdessen wird in Studien, die nicht von dem betreffenden Hersteller gesponsert werden, in der Regel auf genau kontrollierte Extrakte eines penibel ausgewählten Rohstoffhändlers oder gar Pharmaunternehmens zurückgegriffen, bei dem man sich sicher sein kann, dass die zu untersuchende Menge und Qualität des Stoffes enthalten ist. Da man das in diesem Fall aber nicht getan hat, analysierte man zur Sicherheit die Inhaltsstoffe des verwendeten Peak Ecdysones. Dabei kam heraus, dass die Kapseln lediglich einen Gehalt von sechs statt 100 Milligramm des Pflanzensteroids enthielten.

Dementsprechend lag die Dosierung tatsächlich lediglich bei zwölf und 48 Milligramm pro Tag. Trotz dieses Umstandes hat das Forschungsteam anhand ihrer 46 Probanden in vier verschiedenen Gruppen zumindest laut des Papers beeindruckende Ergebnisse festgestellt, obwohl die Teilnehmer angehalten wurden, ihre Ernährung während des zehnwöchigen Studienzeitraumes nicht zu verändern. Beispielsweise bauten die Probanden, die zusätzlich zum Krafttraining das Supplement nahmen, im Schnitt um die 1,5 bis zwei Kilogramm Muskelmasse auf, wohingegen die Placebogruppe keine signifikante Zunahme an funktionaler Körpermasse erreichte.

Am Ende des zehnwöchigen Untersuchungszeitraumes konnten die Forscher eine beeindruckende Zunahme an Muskelmasse feststellen. | PL = Placebogruppe (0 mg/d Beta-Ecdysteron + Krafttraining), Ec1 = Interventionsgruppe 1 (200 mg/d Beta-Ecdysteron + Krafttraining), Ec2 = Interventionsgruppe 2 (800 mg/d Beta-Ecdysteron + Krafttraining), CO = Kontrollgruppe (200 mg/d Beta-Ecdysteron kein Krafttraining).

Aufgrund dieser Feststellung sollte es wenig überraschend erscheinen, dass die Probanden der Interventionsgruppen zusätzlich mehr Kraft in der Kniebeuge und beim Bankdrücken aufbauten. Um festzustellen, ob das Produkt eventuell mit anderen Dopingsubstanzen verunreinigt war, die für diese beeindruckenden Ergebnisse verantwortlich sein könnten, führte man auch diesbezüglich eine Analyse durch, die jedoch negativ ausfiel. Außerdem konnten keine Beeinträchtigung anderer gesundheitlicher Parameter wie Leber- und Nierenwerte festgestellt werden.

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Studie hatte der Hersteller mit dem schwarz-goldenen Label das angesprochene Produkt, wahrscheinlich aufgrund zu geringer Nachfrage, allerdings bereits vom Markt genommen. Jetzt, da die Studie der FU Berlin diese beeindruckenden Ergebnisse zeigte, woraufhin man sogar empfiehlt, Beta-Ecdysteron in die Dopingliste aufzunehmen, entschied sich die Firma PEAK wieder ein entsprechendes Produkt auf den Markt zu bringen. Unter dem Namen „Ecdysteron“ enthalten die Kapseln des neuen Produktes laut des Etikettes jedoch nur noch 25 statt 100 Milligramm Beta-Ecdysteron pro Stück, wobei die empfohlene Dosierung bei vier Kapseln liegt, um die Menge des vorherigen Produktes pro Portion zu erreichen.

Die alte Formel des Peak Ecdysone (oben) enthielt laut Etikett 100 Milligramm Beta-Ecdysteron pro Kapsel. Das neue Peak Edysteron  (unten) liefert dagegen nur ein Viertel dieser Menge pro Kapsel.

Allem Anschein nach gestand man sich aufgrund der Analyse aus der Studie also ein, dass der zuvor verwendete Extrakt nicht die Spezifikationen erreicht, die man zuvor auf dem Label angegeben hatte. Während zuvor lediglich 280 Milligramm Spinat-Extrakt nötig gewesen sein sollen, um auf die geforderte Menge Beta-Ecdysteron zu kommen, sind Stand heute ganze 2000 Milligramm des Pulvers nötig. Auch die Menge pro Portion verringerte man von 200 auf 100 Milligramm des reinen Pflanzensteroids, was laut Analyse und der Annahme, dass die deklarierten Mengen jetzt der Wahrheit entsprechen, immer noch doppelt so viel ist wie die Dosierung, die in der Studie zum Aufbau von zwei Kilogramm reiner Muskelmasse innerhalb von zehn Wochen geführt habe. Wohlgemerkt bei Probanden, die bereits seit mindestens einem Jahr mit freien Gewichten trainierten.

Während wir an dieser Stelle weder dem Forscherteam noch der FU Berlin gegenüber eine Unterstellung anbringen wollen, die wir nicht klar belegen können, scheint es wegen der Tatsache, dass die Studie von der WADA finanziert wurde so, als habe man versucht, absichtlich derart drastische Ergebnisse zu zeigen, um den Pflanzenextrakt vorsätzlich auf die Liste der verbotenen Substanzen setzen zu können. Demnach würden die Forscher bei der Untersuchungsplanung eine Dosierung von 200 und 800 Milligramm angepeilt haben, die den bisherigen russischen Untersuchungen ähnlich ist. Die Tatsache, dass man im Rahmen einer Analyse jedoch nur einen Bruchteil des Pflanzensteroids gefunden hat, lässt den berechtigten Zweifel zu, dass die Ergebnisse absichtlich verfälscht wurden. Hierbei handelt es sich jedoch ausdrücklich nur um reine Spekulationen! Immerhin argumentieren die Wissenschaftler, dass das enthaltene Leucin aller Wahrscheinlichkeit nach nicht zu den positiven Ergebnissen beigetragen hat, da die Menge zu gering erscheint, um die Wirkung zu rechtfertigen.

Dagegen scheint es berechtigt zu behaupten, dass der Hersteller PEAK in der Vergangenheit beim Produkt Ecdysone zumindest der vorliegenden Untersuchung zufolge nachweislich einen Extrakt verwendet hat, der den deklarierten Spezifikationen nicht entsprach. Die Frage, ob das auf Grundlage der Studie neu veröffentlichte Produkt mittlerweile seinen Anforderungen gerecht wird, können wir an dieser Stelle nicht abschließend und sicher beantworten. Allerdings hat man insofern reagiert, dass man nun eine geringere und damit womöglich realistischere Standardisierung des Spinat-Extraktes auf dem Etikett angibt. 

Situationen wie diese sowie die zunehmende Zahl von unabhängigen Analysen zum Zwecke des Verbraucherschutzes zeigen, dass sich die Hersteller einem wachsenden Druck hin zu internen Qualitätsstandards gegenübersehen. Das Risiko, mit einem falsch deklarierten Produkt der Verbrauchertäuschung überführt zu werden, ist heute so hoch wie noch nie zuvor. Das zeigen auch zahlreiche Analysen anderer Supplemente wie Proteinpulvern und Co. Aus diesem Grund versuchen die Firmen mehr und mehr zu gewährleisten, dass ihre Produkte auch halten, was sie versprechen. An dieser Stelle möchten wir einen Dank an Damian Minichowski, dem Gründer von Aesir-Sports, aussprechen, der uns in unserer Facebook-Gruppe Musclemaniax auf das neue Produkt hingewiesen hat.


Literaturquelle:
Ecdysteroids as non-conventional anabolic agent: performance enhancement by ecdysterone supplementation in humans

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5 KOMMENTARE

  1. Moin.

    Klasse Beitrag mit diversen wissenschaftlichen Beiträgen.
    Werde es selbst ebenfalls mal testen.
    Sportliche Grüße.

  2. Hartmann, Hagen / Keiner, Michael

    Die Untersuchung von Isenmann et al. (2019) hat einige methodische Einschränkungen.

    Bei der statistischen Auswertung fehlt die Angabe, ob die Gruppen im Eingangstest Homogenität in den Maximalkraftwerten der Kniebeuge und im Bankdrücken aufweisen.
    Zu diesem Zweck führten wir eine Überprüfung der KI durch:

    Konfidenzintervall Eingangstest (ET) (Alpha 5%)
    Kniebeuge
    P 97,25 (Untere Schätzung) bis 116,75 (Obere Schätzung)
    EC1 92,19 (Untere Schätzung) bis 115,81 (Obere Schätzung)
    EC2 92,09 (Untere Schätzung) bis 107,91 (Obere Schätzung)

    Überlappungen vorhanden, kein signifikanter Gruppenunterschied in ET !

    Konfidenzintervall ET
    Bankdrücken
    P 83,45 (Untere Schätzung) bis 100,55 (Obere Schätzung)
    EC1 72,01 (Untere Schätzung) bis 91,99 (Obere Schätzung)
    EC2 78,64 (Untere Schätzung) bis 97,36 (Obere Schätzung)

    Überlappungen vorhanden, kein signifikanter Gruppenunterschied in ET !

    Es kann von Homogenität in den Maximalkraftwerten der Versuchsgruppen im ET ausgegangen werden.

    Von Eingangs- zu Ausgangstest zeigten sich die folgenden Veränderungen:

    EWM Kniebeuge (kg)
    P 107,5 –> 124,17
    EC1 104,17 –> 122,71
    EC2 100,5 –> 120,00

    EWM Bankdrücken (kg)
    P 92,71 –> 96,04
    EC1 82,92 –> 92,5
    EC2 88,75 –> 97,25

    Die höchsten Zugewinne waren bei den Gruppen festzustellen (Bankdrücken: EC2, Kniebeuge EC1 und EC2), die im Eingangstest die geringsten Maximalkraftwerte zu verzeichnen hatten (siehe hierzu Abbildung 4 im Artikel). Da
    Homogenität im Eimgengstest der Gruppen vorliegt (was die Autoren jedoch nicht getestet hatten), wäre noch eine Berechnung von Effektstärken aufschlussreich (siehe unten).
    .
    Lediglich in der Kniebeuge waren für die Zunahmen in der Maximalkraft signifikante Gruppenunterschiede im Ausgangstest zu verzeichnen (Gruppe EC1 > Gruppe PL, Gruppe EC2 > PL). Hierzu kam ein gepaarter T-Test zur Anwendung, bei dem ein Mittelwertsvergleich absolviert wurde, der die signifikanten Gruppenunterschiede erbrachte. Offensichtlich wurden gerichtete Hypothesen angenommen (EC1 führt zu größeren Zunahmen in der Maximalkraft in der Kniebeuge als PL, EC2 führt zu größeren Zunahmen in der Maxkraft als PL,…), anstatt, wie es auf Basis der Datenlage am Menschen zu erwarten gewesen wäre, ungerichtete Hypothesen zu formulieren (Es zeigt sich ein Unterschied in der Entwicklung der Maximalkraft zwischen der Pacepogruppe und den Versuchsgruppen mit Ecdysterone). Dies hat statistische Relevanz ! Ungerichtete Hypothesen führen zur Auswertung aller Gruppen sowohl in der Varianzanalyse als auch in der Messwiederholung (mittels Scheffe). Bei signifikantem Ergebnis für die Interaktion wird post hoc der Scheffé-Test mit den Mittelwerten des Ausgangstests durchgeführt.

    Gerichtete Hypothesen sind dann erlaubt, wenn die Datenlage (am Menschen) dies auch zulässt. Allerdings ist in der Literatur auf Basis von Effizienzvergleichen ein positiver Effekt von Ecdysone auf die Entwicklung der Maximalkraft nicht verifiziert (siehe Wilborn et al., 2006: Dosis von EC betrug 200mg/Tag).

    Es bleibt unklar, weshalb die Autoren nach Durchführung der Kovarianzanalyse die Messwiederholung nicht mit dem Scheffé-Test durchführten, sondern den T-Test zur Anwendung brachten. Der T-Test für Mittelwertsvergleiche führt bei den Paarvergleichen zur Kumulierung des Alpha-Fehlers, was die Wahrscheinlichkeit eines falsch positiven (signifikanten) Ergebnisses erhöht.

    Unterschied Paarvergleich vs. gepoolter Vergleiche in der Varianzanalyse: Varianzen werden bei gepoolter Analyse bei allen Gruppen gemeinsam berechnet, was andere Ergebnisse bezgl. der Interaktion und ihres F-Wertes generiert. Dieser wird für den Scheffe-Test benötigt, um Gruppenunterschiede zu ermitteln. (Es ist hier nicht die Rede vom Scheffe´-Test, der über SPSS verwendet werden kann.). Paarvergleiche führen aufgrund der geringeren Anzahl an Varianzen eher zu einem signifikanten Ergebnis für die Interaktion (und zu einem anderen F-Wert), was sich demzufolge auch positiv auf die Ergebnisse des Scheffe-Tests auswirken kann. Es werden damit Gruppenunterschiede suggeriert, die womöglich gar nicht vorhanden sind.

    Es wäre zumindest für die höheren Steigerungen in der Maximalkraft eine Berechnung von Effektstärken nötig gewesen.

    Die Effektstärken haben wir nun nachträglich nach Cohen´s D bzw. Hedges G (bei ungleich großen Stichproben) sowohl für den Prä-Post Vergleich der Leistungssteigerungen (Mittelwerte und Standardabweichungen sind im Artikel zu finden) als auch für die Gruppenunterschiede im Eingangs- und Ausgangstest durchgeführt:

    Nach Bortz und Döring (2006) gelten Effektstärken > 0,5 als groß, 0,50–0,30 als moderat, 0,30–0,10 als klein und 0,09 (trivial)
    P und EC2: 0,52 (groß) —> 0,31 (moderat)
    EC1 und EC2: 0,24 (moderat) —> 0,17 (klein)

    Bankdrücken
    P und EC1: 0,70 (groß) —>0,02 (trivial)
    P und EC2: 0,30 (moderat)—>0,37 (moderat)
    EC1 und EC2: 0,40 (moderat)—>0,39 (moderatl)

    Bereits an den Effektstärken zur Entwicklung Maximalkraftwerte ist ersichtlich, dass ein positiver Einfluss des Ecdysone sich nicht zweifelsfrei ableiten lässt.

    Der starke Trainingseffekt von EC2 in der Kniebeuge (d=1,6) ist nicht überraschend, da es sich
    zu Beginn um die schwächste Gruppe gehandelt hat. Diese zeigte bereits im Eingangstest für die Gruppenunterschiede mittlere und große Effektstärken (Kniebeuge) zur Placebo- und zur EC1-Gruppe, was diesen Sachverhalt eines geringen Maximalkraftwertes im ET untermauert.

    Ausgangstest im Bankdrücken: Der mittlere Trainingseffekt der Placebogruppe im Bankdrücken ist wohl dadurch erklärbar, dass diese Gruppe zu Beginn die höchsten EWM aufwies und damit eine geringe Steigerung erwarten lässt.
    Demzufolge betragen auch die Effektstärken der Gruppenunterschiede für die Placebogruppe große und mittlere Werte gegenüber EC1 und EC2.

    Die Gruppenunterschiede aller Gruppen sowohl in der Kniebeuge als auch im Bankdrücken (Ausgangstest) sind trivial bis moderat.

    Eine Varianzanalyse mit Messwiederholung (aller Gruppen) und post hoc Scheffe Test der Ausgangswerte hätte hier bezüglich der Gruppenunterschiede mehr Sinn gemacht (aufgrund von nicht „falsch“-positiver, d.h. signifikanter Ergebnisse), als es der T-Test mit den Mittelwertsunterschieden der Veränderungen tat (erhöhter Alpha-Fehler).

    Zunahmen im Körpergewicht der beiden Versuchsgruppen können darauf beruhen, dass die Kalorienzufuhr und Ernährungsgewohnheiten nicht überwacht wurden.
    Ein Doppelblindverfahren wird zwar in der Methodik genannt, aber offenbar wurde dieses nicht befolgt. Probanden erhielten zwei oder acht Kapseln des Ecdysone, womit
    eine Erwartungshaltung einhergangen sein dürfte (Verabreichung eines vermeintlich leistungssteigernden Produktes führt zu stärkerer Auslastung der Probanden gepaart mit
    möglicherweise höheren Kalorienzufuhr – letzteres wurde ja nicht kontrolliert).

    Die Daten der Bioimpedanzanalyse und des Körpergewichtes von Eingangs- und Ausgangstest fehlen für eine Auswertung der Effektstärken.

    Es wäre eine nachträgliche (korrekte) statistische Auswertung wünschenswert, um zu prüfen, ob die Ergebnisse mit der tatsächlichen statistischen Wahrscheinlichkeit signifikant werden (ungerichtete Hypothesen, zweifaktorielle Varianzanalyse mit Messwiederholung und post hoc Scheffe Test). Die Dosis von EC war deutlich geringer als in der Studie von Wilborn et al. (2006).
    Diese verwendeten 200mg / Tag und stellten keine sign. Veränderungen in der Entwicklung der Maximalkraft und der Muskelmasse zwischen Placebo und Versuchsgruppen fest.

    Wilborn CD1, Taylor LW, Campbell BI, Kerksick C, Rasmussen CJ, Greenwood M, Kreider RB. Effects of methoxyisoflavone, ecdysterone, and sulfo-polysaccharide supplementation on training adaptations in resistance-trained males. J Int Soc Sports Nutr. 2006 Dec 13;3:19-27. doi: 10.1186/1550-2783-3-2-19.

  3. Anmerkung zum ersten Beitrag
    Textteile haben gefehlt, hier noch einmal der komplette Text:

    Hartmann, Hagen / Keiner, Michael

    Die Untersuchung von Isenmann et al. (2019) hat einige methodische Einschränkungen.

    Bei der statistischen Auswertung fehlt die Angabe, ob die Gruppen im Eingangstest Homogenität in den Maximalkraftwerten der Kniebeuge und im Bankdrücken aufweisen.
    Zu diesem Zweck führten wir eine Überprüfung der KI durch:

    Konfidenzintervall ET (Alpha 5%)
    Kniebeuge
    P 97,25 (Untere Schätzung) bis 116,75 (Obere Schätzung)
    EC1 92,19 (Untere Schätzung) bis 115,81 (Obere Schätzung)
    EC2 92,09 (Untere Schätzung) bis 107,91 (Obere Schätzung)

    Überlappungen vorhanden, kein signifikanter Gruppenunterschied in ET !

    Konfidenzintervall ET
    Bankdrücken
    P 83,45 (Untere Schätzung) bis 100,55 (Obere Schätzung)
    EC1 72,01 (Untere Schätzung) bis 91,99 (Obere Schätzung)
    EC2 78,64 (Untere Schätzung) bis 97,36 (Obere Schätzung)

    Überlappungen vorhanden, kein signifikanter Gruppenunterschied in ET !

    Es kann von Homogenität in den Maximalkraftwerten der Versuchsgruppen im ET ausgegangen werden.

    Von Eingangs- zu Ausgangstest zeigten sich die folgenden Veränderungen:

    EWM Kniebeuge (kg)
    P 107,5 –> 124,17
    EC1 104,17 –> 122,71
    EC2 100,5 –> 120,00

    EWM Bankdrücken (kg)
    P 92,71 –> 96,04
    EC1 82,92 –> 92,5
    EC2 88,75 –> 97,25

    Die höchsten Zugewinne waren bei den Gruppen festzustellen (Bankdrücken: EC2, Kniebeuge EC1 und EC2), die im Eingangstest die geringsten Maximalkraftwerte zu verzeichnen hatten (siehe hierzu Abbildung 4 im Artikel). Da
    Homogenität im Eingangstest der Gruppen vorliegt (was die Autoren jedoch nicht getestet hatten), wäre noch eine Berechnung von Effektstärken aufschlussreich (siehe unten).
    .
    Lediglich in der Kniebeuge waren für die Zunahmen in der Maximalkraft signifikante Gruppenunterschiede im Ausgangstest zu verzeichnen (Gruppe EC1 > Gruppe PL, Gruppe EC2 > PL). Hierzu kam ein gepaarter T-Test zur Anwendung, bei dem ein Mittelwertsvergleich absolviert wurde, der die signifikanten Gruppenunterschiede erbrachte. Offensichtlich wurden gerichtete Hypothesen angenommen (EC1 führt zu größeren Zunahmen in der Maximalkraft in der Kniebeuge als PL, EC2 führt zu größeren Zunahmen in der Maxkraft als PL,…), anstatt, wie es auf Basis der Datenlage am Menschen zu erwarten gewesen wäre, ungerichtete Hypothesen zu formulieren (Es zeigt sich ein Unterschied in der Entwicklung der Maximalkraft zwischen der Pacepogruppe und den Versuchsgruppen mit Ecdysterone). Dies hat statistische Relevanz ! Ungerichtete Hypothesen führen zur Auswertung aller Gruppen sowohl in der Varianzanalyse als auch in der Messwiederholung (mittels Scheffe). Bei signifikantem Ergebnis für die Interaktion wird post hoc der Scheffé-Test mit den Mittelwerten des Ausgangstests durchgeführt.

    Gerichtete Hypothesen sind dann erlaubt, wenn die Datenlage (am Menschen) dies auch zulässt. Allerdings ist in der Literatur auf Basis von Effizienzvergleichen ein positiver Effekt von Ecdysone auf die Entwicklung der Maximalkraft nicht verifiziert.

    Es bleibt unklar, weshalb die Autoren nach Durchführung der Kovarianzanalyse die Messwiederholung nicht mit dem Scheffé-Test durchführten, sondern den T-Test zur Anwendung brachten. Der T-Test für Mittelwertsvergleiche führt bei den Paarvergleichen zur Kumulierung des Alpha-Fehlers, was die Wahrscheinlichkeit eines falsch positiven (signifikanten) Ergebnisses erhöht.

    Unterschied Paarvergleich vs. gepoolter Vergleiche in der Varianzanalyse: Varianzen werden bei gepoolter Analyse bei allen Gruppen gemeinsam berechnet, was andere Ergebnisse bezgl. der Interaktion und ihres F-Wertes generiert. Dieser wird für den Scheffe-Test benötigt, um Gruppenunterschiede zu ermitteln. (Es ist hier nicht die Rede vom Scheffe´-Test, der über SPSS verwendet werden kann.). Paarvergleiche führen aufgrund der geringeren Anzahl an Varianzen eher zu einem signifikanten Ergebnis für die Interaktion (und zu einem anderen F-Wert), was sich demzufolge auch positiv auf die Ergebnisse des Scheffe-Tests auswirken kann. Es werden damit Gruppenunterschiede suggeriert, die womöglich gar nicht vorhanden sind.

    Es wäre zumindest für die höheren Steigerungen in der Maximalkraft eine Berechnung von Effektstärken nötig gewesen.

    Die Effektstärken haben wir nun nachträglich nach Cohen´s D bzw. Hedges G (bei ungleich großen Stichproben) sowohl für den Prä-Post Vergleich der Leistungssteigerungen (Mittelwerte und Standardabweichungen sind im Artikel zu finden) als auch für die Gruppenunterschiede im Eingangs- und Ausgangstest durchgeführt:

    Nach Bortz und Döring (2006) gelten Effektstärken > 0,5 als groß, 0,50–0,30 als moderat, 0,30–0,10 als klein und 0,09 (trivial)
    P und EC2: 0,52 (groß) —> 0,31 (moderat)
    EC1 und EC2: 0,24 (moderat) —> 0,17 (klein)

    Bankdrücken
    P und EC1: 0,70 (groß) —>0,02 (trivial)
    P und EC2: 0,30 (moderat)—>0,37 (moderat)
    EC1 und EC2: 0,40 (moderat)—>0,39 (moderatl)

    Bereits an den Effektstärken zur Entwicklung Maximalkraftwerte ist ersichtlich, dass ein positiver Einfluss des Ecdysone sich nicht zweifelsfrei ableiten lässt.

    Der starke Trainingseffekt von EC2 in der Kniebeuge (d=1,6) ist nicht überraschend, da es sich
    zu Beginn um die schwächste Gruppe gehandelt hat. Diese zeigte bereits im Eingangstest für die Gruppenunterschiede mittlere und große Effektstärken (Kniebeuge) zur Placebo- und zur EC1-Gruppe, was diesen Sachverhalt eines geringen Maximalkraftwertes im ET untermauert.

    Ausgangstest im Bankdrücken: Der mittlere Trainingseffekt der Placebogruppe im Bankdrücken ist wohl dadurch erklärbar, dass diese Gruppe zu Beginn die höchsten EWM aufwies und damit eine geringe Steigerung erwarten lässt.
    Demzufolge betragen auch die Effektstärken der Gruppenunterschiede für die Placebogruppe große und mittlere Werte gegenüber EC1 und EC2.

    Die Gruppenunterschiede aller Gruppen sowohl in der Kniebeuge als auch im Bankdrücken (Ausgangstest) sind trivial bis moderat.

    Eine Varianzanalyse mit Messwiederholung (aller Gruppen) und post hoc Scheffe Test der Ausgangswerte hätte hier bezüglich der Gruppenunterschiede mehr Sinn gemacht (aufgrund von nicht „falsch“-positiver, d.h. signifikanter Ergebnisse), als es der T-Test mit den Mittelwertsunterschieden der Veränderungen tat (erhöhter Alpha-Fehler).

    Zunahmen im Körpergewicht der beiden Versuchsgruppen können darauf beruhen, dass die Kalorienzufuhr und Ernährungsgewohnheiten nicht überwacht wurden.
    Ein Doppelblindverfahren wird zwar in der Methodik genannt, aber offenbar wurde dieses nicht befolgt. Probanden erhielten zwei oder acht Kapseln des Ecdysone, womit
    eine Erwartungshaltung einhergangen sein dürfte (Verabreichung eines vermeintlich leistungssteigernden Produktes führt zu stärkerer Auslastung der Probanden gepaart mit
    möglicherweise höheren Kalorienzufuhr – letzteres wurde ja nicht kontrolliert).

    Die Daten der Bioimpedanzanalyse und des Körpergewichtes von Eingangs- und Ausgangstest fehlen für eine Auswertung der Effektstärken.

    Es wäre eine nachträgliche (korrekte) statistische Auswertung wünschenswert, um zu prüfen, ob die Ergebnisse mit der tatsächlichen statistischen Wahrscheinlichkeit signifikant werden (ungerichtete Hypothesen, zweifaktorielle Varianzanalyse mit Messwiederholung und post hoc Scheffe Test).

  4. Eingangs- zu Ausgangstest:

    Kniebeuge
    Placebo 1,15 (großer Effekt)
    EC1 1,02 (großer Effekt)
    EC2 1,6 (großer Effekt) (es war zu Beginn die schwächste Trainingsgruppe)

    Bankdrücken
    Placebo 0,27 (moderater Effekt) (es war zu Beginn die stärkste Trainingsgruppe)
    EC1 0,65 (großer Effekt)
    EC2 0,72 (großer Effekt)

    Gruppenunterschiede Eingangstest zu Ausgangstest
    Kniebeuge
    P und EC1: 0,20 (klein) —> 0,09 (trivial)
    P und EC2: 0,52 (groß) —> 0,31 (moderat)
    EC1 und EC2: 0,24 (moderat) —> 0,17 (klein)

    Bankdrücken
    P und EC1: 0,70 (groß) —>0,02 (trivial)
    P und EC2: 0,30 (moderat)—>0,37 (moderat)
    EC1 und EC2: 0,40 (moderat)—>0,39 (moderat)

  5. Zusatz:
    Die Untersuchung von Wilborn et al. (2006) konnte nach Einnahme von 200mg Ecdysterone pro Tag in einem Effizienzvergleich keine signifikanten Auswirkungen auf die Entwicklung der Maximalkraft und der Muskelmasse ermitteln. Damit war die Dosierung viermal so hoch wie in der Studie von Isenmann et al. (2019). In dem Artikel von Isenmann et al. (2019) wird darauf hingewiesen, dass die Kapseln in ihrer eigenen Studie lediglich 6mg Ecdysterone enthielten und nicht 100mg. Folglich erhielten die Gruppen EC1 12mg und EC2 48mg Ecdysterone.

    Wilborn, C.D., Taylor, L.W., Campbell, B.I. et al.(2006). Effects of Methoxyisoflavone, Ecdysertone, and Sulfopolysaccharide supplementation on training adaptations in resistance-trained males. J Int Sports Nur 3(2), 19-27

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