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Erythropoetin: Welchen Nutzen hat Blutdoping mit EPO im Bodybuilding?

Vorab: Wir sind keine Befürworter des Konsums verbotener, leistungssteigernder Substanzen. Der durchschnittliche Studiogänger sollte in der Lage sein, mit Hilfe von intelligentem Training auch ohne Steroide und Co. gute Resultate zu erbringen. Die gesundheitlichen und auch rechtlichen Risiken werden dem Nutzen in den meisten Fällen nicht gerecht. Zumindest solange du kein Schauspieler oder Profisportler bist, bei denen große Geldbeträge auf dem Spiel stehen.

Den Namen Erythropoetin beziehungsweise dessen Kurzform EPO oder den Begriff Blutdoping kennen viele von uns sicherlich aus den Skandalen, die sich in den letzten Jahren besonders im Radsport ereignet haben. Beschäftigt man sich jedoch näher mit den Praktiken, die so mancher Profi-Bodybuilder anwendet, würde es wohl auch nicht überraschen, wenn auch hier die Substanz zum Einsatz kommt, die die Anzahl der roten Blutkörperchen steigert. Bisher gibt es tatsächlich aber noch wenige Berichte über Blutdoping im Bodybuilding. Um die Frage zu klären, ob es überhaupt Sinn ergibt, als Bodybuilder EPO zu verwenden, beschäftigen wir uns im heutigen Artikel mit diesem Thema. 

Erythropoetin (EPO) ist ein Glykoprotein-Hormon, welches unser Körper auf natürlichem Wege ausschüttet, um neue rote Blutkörperchen, genannt Erythrozyten, zu bilden. Diese Blutkörperchen haben die Aufgabe, den lebenswichtigen Sauerstoff, der über die Lunge aufgenommen wird, zu jeder Zelle des Körpers zu transportieren, wo er im Zuge der Energieverbrennung zu Kohlenstoffdioxid umgewandelt wird. Wird im Körper ein höherer Sauerstoffbedarf angezeigt, schütten die Nieren vermehrt EPO aus, um somit mehr Erythrozyten bereitstellen zu können. Dieser Regelkreis hat jedoch seine physiologischen Grenzen, da ein zu hoher Gehalt an roten Blutkörperchen das Blut zu viskos, also zu dickflüssig werden lässt.

In Folge eines zu hohen Hämatokritwertes, der auch als Anteil zellulärer Bestandteile am Volumen des Blutes bezeichnet und zu 99 Prozent durch die Erythrozyten ausgemacht wird, muss das Herz stärker arbeiten, um den gesamten Körper mit Blut zu versorgen. Die Symptome reichen von Kopfschmerzen und Atemnot über Herzkrämpfe und verminderte Durchblutung des zentralen Nervensystems bis hin zum Tod.

Doping und der Mythos vom fairen Sport

Die in diesem Artikel dargestellten Inhalte spiegeln die Meinung des Autors des Originaltextes wieder und stehen in keinem Zusammenhang mit der Meinung des Übersetzers oder von Gannikus.com. Anabole Steroide, Wachstumshormone und ähnliche Stoffe sind entweder verschreibungspflichtig oder überhaupt nicht mehr aus einer Apotheke zu beziehen. Derartige Substanzen ohne Rezept zu erwerben oder zu besitzen ist […]

In der Medizin macht man sich die blutbildenden Eigenschaften des Glykoprotein-Hormons zunutze, indem man mithilfe von rekombinantem EPO den Zustand der Anämie, sprich der Blutarmut, behandelt. Bevor der Wirkstoff im Jahre 1984 auf den Markt kam, mussten die Ärzte für diesen Zweck häufig zu Steroiden wie Anadrol 50 oder Oxymetholon greifen, die jedoch weitere potenzielle Nebenwirkungen wie die Vermännlichung bei Frauen oder eine Vergrößerung der Prostata bei Männern bewirken können. Doch auch Ausdauerathleten erkannten schnell den potenziellen Nutzen von exogenem EPO.

Während man im Zuge der damals vorherrschenden Dopingkontrollen bereits auf Steroide testete und die beiden genannten Vertreter daher kaum eine Möglichkeit darstellten, zu Dopingzwecken missbraucht zu werden, konnten die Athleten zunächst bedenkenlos zu EPO greifen, um so den Gehalt ihrer roten Blutkörperchen zu steigern. Durch den erhöhten Sauerstofftransport erzielte man somit eine größere Ausdauerleistung. Mithilfe modernerer Analysemethoden ist es heute allerdings möglich, durch einen simplen Urin-Test den unlauteren Gebrauch von EPO festzustellen. 2013 konnte somit beispielsweise nachgewiesen werden, dass viele ehemalige Rennrad-Profis, darunter auch die Deutschen Jan Ullrich und Erik Zabel, bei der Tour de France 1998 EPO verwendet haben sollen.

Vereinzelte Berichte deuten darauf hin, dass nicht nur Rennrad-Fahrer und andere Ausdauersportler vom Doping mit EPO profitieren, sondern der Stoff auch im Bodybuilding vereinzelt zum Einsatz kommt. 2017 diskutierten beispielsweise Bostin Loyd und Dr. Tony Huge über EPO im Kraftsport. Während der junge US-Amerikaner nicht als Kind von Traurigkeit bekannt ist, was die Verwendung von Steroiden und Co sowie seine  Experimentierfreudigkeit dahingehend betrifft, und er daher selbst EPO injiziert habe, sind sich beide darüber einig, dass der Stoff extreme gesundheitliche Risiken berge, wenn man nicht genau wisse, was man mache. Das Video ist leider nicht mehr verfügbar, doch haben wir damals einen Bericht darüber verfasst.

Dr. Tony Huge und Bostin Loyd über den Einsatz von EPO im Bodybuilding

Erythropoetin, kurz oftmals einfach als EPO bezeichnet, zählt zu den sogenannten ESAs (Erythropoiesis Stimulating Agents) und wird in der Medizin vor allem zur Behandlung von Blutarmut bei Dialyspatienten eingesetzt. Das Glykoproteinhormon spielt eine wichtige Rolle bei der Bildung roter Blutkörperchen und ist den meisten Sportbegeisterten wohl deshalb ein Begriff, weil unter anderem der Radfahrer Lance […]

„Grundsätzlich sind sich Dr. Tony Huge und sein Gegenüber einig, dass EPO sich vor allem bei längerfristigem Konsum und in einer Aufbauphase anbiete, um eine Muskelhyperplasie, sprich die Vermehrung von Muskelfasern zu begünstigen.“ 

Auch der IFBB Pro John Meadows sprach im Zuge eines Interviews mit Nick Trigili und Phil Viz über dieses Thema. Er selbst habe EPO zu Beginn seiner Karriere genutzt, da er in der Offseason stets sehr viel Gewicht zugenommen habe und durch den Gebrauch des Glykoprotein-Hormon die Cardio-Einheiten verbessern wollte, die nötig waren, um das überschüssige Körperfett zu verbrennen. Auch die körperliche Ermüdung im Zuge der anhaltenden Wettkampfdiät galt es dadurch zu reduzieren. Es habe aufgrund der geringen Dosierung zwar eine Weile gedauert, bis er etwas gespürt habe, doch schlussendlich verbesserte sich die Regeneration des 212-Athleten zwischen den Sätzen so stark, dass trotz hohen Gewichten und vielen Wiederholungen nur noch sehr kurze Pausen nötig gewesen seien.

https://www.youtube.com/watch?v=mV-HGvGL2ag

Schon dort berichtete der Bodybuilder, dass er die Einnahme von EPO aufgrund seiner schweren Erkrankung beendet habe, die dazu führte, dass im 2005 der gesamte Dickdarm entfernt werden musste. Ein Arterienverschluss, dessen Ursache bis heute ungeklärt ist, zwang die Ärzte zu diesem operativen Eingriff. Heute kann der US-Amerikaner von Glück reden, dass er wieder in der Lage ist, auf diesem hohen Niveau Wettkämpfe zu bestreiten. Am Rande eines Podcasts mit Mind Pump berichtete er sogar davon, dass der Gebrauch von EPO die Ursache für das Problem gewesen sein könnte und er heute dringend davon abrate. Einen Grund, die Substanz in der Offseason zu verwenden, sieht Meadows dagegen nicht.

Doch all das sind nur Anekdoten. Schauen wir uns an was die wissenschaftliche Literatur zu diesem Thema zu sagen hat.

EPO und Muskelaufbau aus wissenschaftlicher Sicht

Obwohl die leistungssteigernden Effekte von EPO auf die Ausdauer unumstritten sind, zeigen die Berichte, dass manche Bodybuilder behaupten, das Hormon würde bei exogener Zufuhr die Zunahme an Muskelmasse positiv beeinflussen. Es wird angenommen, dass die Substanz den Blutfluss steigert und somit den Pump und die Dehnung der Muskelzellen von innen heraus verbessert, was bekanntermaßen zwei der Faktoren sind, die die muskuläre Hypertrophie positiv beeinflussen können.

Ein Studien-Review von Lundby und Olsen fasst die bisher bekannten Wirkungen von EPO zusammen und geht dabei auch auf den Aspekt der Skelettmuskulatur ein [1]. Dabei kamen sie zu dem Ergebnis, dass Rezeptoren für das Hormon in den menschlichen Skelettmuskelzellen vorhanden sind und Injektionen damit die Muskeln direkt und indirekt beeinflussen könnten.

Geringfügige Veränderungen der Messwerte Myoglobin, Epo-r, Transferin Rezeptor und MRF4 seien demnach zwar messbar, doch konnten bei gesunden Probanden bisher keine langfristigen Auswirkungen in den Parametern der Anzahl von Kapillaren, den Muskelfasertypen, der Verteilung der Muskelfasern und ihrem Durchmesser sowie der Mehrheit der Proteine, die am Säure-Basen-Haushalt beteiligt sind, nachgewiesen werden. Auch eine Steigerung der Muskelmasse wurde in Studien untersucht, jedoch konnte kein Unterschied mittels eines DEXA-Scans festgestellt werden.

Boldenon: Rennpferdsteroid für den menschlichen Gebrauch?

Vorab: Wir sind keine Befürworter des Steroidkonsums. Der durchschnittliche Studiogänger sollte in der Lage sein, mit Hilfe von intelligentem Training auch ohne Steroide gute Resultate zu erbringen. Die gesundheitlichen und auch rechtlichen Risiken werden dem Nutzen in den meisten Fällen nicht gerecht. Zumindest solange du kein Schauspieler oder Profisportler bist, bei denen große Geldbeträge auf […]

Allerdings wurden diese Untersuchungen an Personen durchgeführt, die weder Erfahrung mit Krafttraining hatten noch während der Studie trainierten. Um den Effekt von EPO auf die Trainingskapazität festzustellen, mussten die beiden Forscher also weitere Untersuchungen zu Rate ziehen. Demnach konnte die absolvierbare Dauer bei einem submaximalen Belastungstest der Time to Exhaustion (Zeit bis zur Erschöpfung) um ganze 50 Prozent gesteigert werden. Diese Verbesserung der muskulären Leistungskapazität ist aber ebenfalls rein auf die Erhöhung der Anzahl roter Blutkörperchen und dem damit verbundenen Sauerstofftransport bezogen.

Eine verbesserte Leistungskapazität und muskuläre Ausdauer könnte schlussendlich dazu führen, dass ein höheres Trainingsvolumen bewältigt werden kann und die Muskulatur trotz Kaloriendefizit in einer Diät besser mit Sauerstoff und Energie versorgt wird. Mehr Wiederholungen mit einem höheren Gewicht zu bewältigen, ist bekanntermaßen maßgeblich für die muskuläre Hypertrophie verantwortlich. Bisher gibt es allerdings keine Studien, die den Effekt von EPO auf den Muskelaufbau in Kombination mit Krafttraining bei erfahrenen Kraftsportlern untersuchen, weshalb wir uns an dieser Stelle auf die Anekdoten verlassen müssen.

Wie von John Meadows berichtet, habe ihm der Gebrauch besonders in den harten Phasen seiner Wettkampfdiät dabei geholfen, die Intensität und das Volumen im Training hochzuhalten. Dennoch sei die Verwendung von EPO extrem gefährlich und man solle darauf achten, dass zum einen der Hämatokrit-Wert nicht zu sehr ansteigt und zum anderen das Blut flüssig bleibt. Deshalb habe er zusätzlich ein blutverdünnendes Mittel wie 100 Milligramm Aspirin täglich verwendet. Ungeachtet der vermeintlichen Vorteile rate er heute aber vom Erythropoetin-Konsum ab, was wir an dieser Stelle nur befürworten können.


Primärquellen:
steroid.com/EPO.php
mountaindogdiet.com/basic/team/john-meadows-a-story-of-hope/

Literaturquelle:
Lundby, Carsten, and Niels Vidiendal Olsen. „Effects of recombinant human erythropoietin in normal humans.“ The Journal of physiology 589.6 (2011): 1265-1271.

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