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Ecdysteron: Sollte Spinat wirklich auf der WADA Dopingliste stehen?

In den vergangenen Tagen sorgte eine Studie der FU Berlin für sehr großes Aufsehen in den Mainstream-Medien. Die Forscher der Universität sollen im Rahmen ihres Experimentes herausgefunden haben, dass ein Extrakt aus Spinat den Muskel- und Kraftzuwachs so stark beschleunige, dass die Substanz in die Liste der verbotenen Substanzen der Welt-Antidoping-Agentur (WADA) aufgenommen werden müsse. ARD, ZDF, zahlreiche Zeitungen und sogar große internationale Magazine stürzten sich auf die Meldung und erweckten zum Teil den Eindruck, Spinat selbst sei ein Dopingmittel. Doch was ist dran an dieser Behauptung?

Auch wenn wir mittlerweile wissen, dass Spinat zwar durchaus ein guter Eisenlieferant ist, so ist doch die dem Blattgemüse nachgesagte Superkraft ein Mythos, dessen Ursprung wohl einem Kommafehler geschuldet ist, der einem Lebensmittelanalytiker Ende des 19. Jahrhunderts bei der Angabe des Eisengehalts unterlaufen sein soll. Aber nichtsdestoweniger enthält Spinat zahlreiche weitere Stoffe, die das Gewächs für Sportler interessant macht. Eines von ihnen ist Ecdysteron, ein pflanzlicher Stoff, der den menschlichen Steroidhormonen ähnlich ist. Schon seit einigen Jahren werden deshalb in der Welt des Bodybuildings und Kraftsports Produkte zum Aufbau von Muskelmasse und Kraft verkauft, die Ecdysteron enthalten. Grund für die gute Vermarktung waren insbesondere russische Studien, die beeindruckende Effekte an Ratten zeigen konnten. 

Gannikus ist bekannt dafür, sich kritisch mit Berichten der Massenmedien auseinanderzusetzen, in denen Studien völlig falsch interpretiert oder reißerisch aufgeblasen werden. Die oftmals völlig überzogenen Aussagen in den richtigen Kontext zu rücken, fassen wir als unsere Aufgabe auf. Deshalb halten wir uns auch bei diesem Thema nicht zurück. Einschränkend muss jedoch angemerkt werden, dass uns zum derzeitigen Zeitpunkt noch kein Volltext der von der WADA in Auftrag gegebenen Untersuchung zur Verfügung steht. Wir müssen uns aus diesem Grunde auf das Abstract der Studie sowie die Aussagen der Wissenschaftler gegenüber den Medienplattformen stützen.

„Proteinshakes können tödlich sein“: Was ist dran an der hitzig diskutierten Studie zum Eiweißkonsum?

Schlagzeilen wie „Proteinshakes können das Leben verkürzen“ oder gar „Proteinshakes sind tödlich“ sorgten in den vergangenen Tagen für viel Aufsehen. Selbst Massenmedien wie der Focus griffen eine kürzlich veröffentlichte Studie auf, derer zufolge der Verzehr von Eiweißshakes angeblich zu Übergewicht und dadurch zu einem früheren Tod führen soll. Diese Neuigkeiten sorgen natürlich besonders unter Kraftsportlern […]

Den uns verfügbaren Quellen zufolge teilte man in dem vorliegenden Experiment 46 Teilnehmer in vier Gruppen ein. Während zwei Gruppen verschiedene Dosierungen des Pflanzensteroids verabreicht bekamen, schluckte die dritte Gruppe ein Placebo, also Kapseln ohne Wirkstoffe. Diese drei Gruppen nahmen darüber hinaus an einem Krafttrainingsprogramm teil. Eine vierte Gruppe nahm dagegen den Wirkstoff, trainierte jedoch nicht. Leider liegen keine genauen Angaben zu den Dosierungen vor.

Dem Wissenschaftsmagazin Ergo-Log zufolge handelte es sich bei den Kapseln um ein bekanntes Produkt. Laut Artikel nutzte man das Ecdysteron der Firma Peak, das unter dem Handelsnamen Ecdysone einige Jahre auf dem Markt erhältlich war, nun jedoch nicht mehr verkauft wird. Darin enthalten waren neben 100 Milligramm ß-Ecdysteron aus Spinatextrakt auch 280 Milligramm Leucin. Die Redakteure der Wissenschafts-Website berichteten in diesem Zusammenhang jedoch, dass eine Analyse des Produktes das ernüchternde Resultat ergeben habe,  dass die Kapseln lediglich sechs statt der angegebenen 100 Milligramm des Pflanzensteroids enthalten hätten. 

Brassinosteroide: Forscher entdecken anabole Wirkung eines Pflanzen-Steroids!

Mit dem Begriff „Steroide“ assoziieren die meisten von uns wohl synthetische Stoffe, die in Pharmakonzernen oder Untergrundlaboren in Öl gelöst und dann in Glasflaschen verpackt werden. Viel zu oft wird dabei jedoch vergessen, dass diese Klasse der Hormone etwas völlig Natürliches ist, was unser Körper selbst herstellt und sogar in manchen Pflanzen zu finden ist. […]

Am Ende des zehnwöchigen Interventionszeitraums seien die Ergebnisse dennoch sehr eindeutig gewesen. Während die beiden Gruppen, die den Wirkstoff aufnahmen und dabei trainierten, zwischen eineinhalb und zwei Kilogramm reiner Muskelmasse aufbauen konnten, zeigten die anderen beiden Gruppen keine signifikanten Veränderungen. Auch was die Maximalkraft anging, stiegen die Werte in den Ecdysteron-Gruppen deutlich stärker. Am Ende bauten sie mehr als doppelt soviel Kraft auf wie die Teilnehmer, die ohne den Spinatextrakt trainierten.

Da es sich bei Leucin um eine Aminosäure handelt, die erwiesenermaßen die Proteinsynthese triggert, könnte man annehmen, dass sie eventuell für die beobachtbaren Effekte verantwortlich gewesen sein könnte. Die Forscher weisen diese These jedoch mit dem Argument zurück, dass die Leucin-Dosierung rein physiologisch gesehen zu vernachlässigen sei. Allerdings geht aus den Angaben nicht hervor, ob man den Gehalt der Aminosäure ebenfalls analysiert hat. Sofern die Menge an Ecdysteron deutlich geringer ausgefallen sein sollte als angegeben, wäre vorstellbar, dass im Gegenzug mehr Leucin in den Kapseln enthalten gewesen sein könnte. Doch glauben auch wir nicht, dass dies der alleinige Grund für die deutlichen Ergebnisse war.

Im Fazit der Studie schreiben die Berliner Forscher, das Projekt habe die leistungssteigernden Effekte von Ecdysteron beim Menschen demonstriert. Dabei habe sich gezeigt, dass sich die Wirkmechanismen unabhängig von der Aktivierung der Androgenrezeptoren eingestellt hätten. Vielmehr seien die Effekte durch die Aktivierung des Östrogenrezeptors Beta hervorgerufen worden. Demzufolge schlugen sie ihrem Auftraggeber, der WADA, vor, den Pflanzenstoff in die Liste der verbotenen Substanzen aufzunehmen.

Wer nun jedoch glaubt, man könne allein mit dem Verzehr von Spinat dopen oder müsse sogar aufpassen, nach einer Mahlzeit keinen positiven Dopingtest zu provozieren, der liegt falsch. Um die in der Studie verwendeten Ecdysteron-Dosierungen einzunehmen, müsste dem Bericht der FU Berlin zufolge je nach Spinatsorte täglich eine Menge von 250 Gramm bis vier Kilogramm Spinat pro Tag vertilgt werden. Bei den herkömmlichen Sorten ist wohl eher eine Menge am oberen Ende nötig, um die den Interventionsgruppen verabreichten und vermutlich ohnehin eher geringen Mengen des Spinatextrakts zu erreichen.

Wer sich gerne jeden Tag kiloweise Spinat gönnen möchte, sollte jedoch vorsichtig sein, denn Spinat enthält weiterhin eine hohe Konzentration an Oxalsäure, die dazu führen kann, dass der für Zahn- und Knochengesundheit essenzielle Nährstoff Kalzium nicht mehr ausreichend im Darm aufgenommen werden kann. Zudem würde man beim täglichen Verzehr von mehreren Kilogramm des Blattgemüses mit der Zeit eine orange-gelbliche Verfärbung der Haut (insbesondere an den Handinnenflächen) riskieren. Grund dafür ist der hohe Gehalt an Beta-Carotin, der sich mit der Zeit in der Haut ablagern kann. Man darf also daran zweifeln, dass der Verzehr von Spinat selbst eine gangbare Option zur Erzeugung eines signifikanten Muskelwachstums darstellt.


Internetquellen:

www.fu-berlin.de/presse/informationen/fup/2019/fup_19_193-studie-spinat-substanz/index.html
/www.ergo-log.com/ecdysterone-supplementation-strength-athletes-2-kilos-of-muscle-mass-in-10-weeks.html

Studienquelle

Isenmann, Eduard, et al. „Ecdysteroids as non-conventional anabolic agent: performance enhancement by ecdysterone supplementation in humans.“ Archives of toxicology (2019): 1-10.

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