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Auf Wettkampfniveau: Ab wann haben Transgender-Athleten keine Vorteile mehr im Sport?

Eine Person, die zwar als Mann geboren wurde, sich jedoch selbst als Frau identifiziert, könnte man als eine Transfrau bezeichnen. Umgekehrt gibt es auch Transmänner, wobei es für beide Varianten mehrere Begriffe gibt, aus denen man wählen kann. Doch was passiert, wenn Transgender-Athleten an sportlichen Wettbewerben teilnehmen möchte? Männer, die mit Frauen konkurrieren, weil sie sich dem weiblichen Geschlecht zuordnen, hätten durchaus körperliche Vorteile. Aktuell gibt es je nach Verband unterschiedliche Regelungen, ab wann und ob überhaupt Transgender-Athleten nach einer Geschlechtsumwandlung, inklusive hormoneller Therapie, an Wettkämpfen teilnehmen dürfen. Eine aktuelle Studie hat sich genauer mit dem Thema auseinandergesetzt.

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Aufgrund der zunehmenden Akzeptanz gegenüber verschiedenen sexuellen Orientierungen, die beim Menschen auftreten, entstand in den letzten Jahren eine ebenso zunehmende Diskussion über die Rolle des Geschlechts. Während es seit dem 1. Oktober 2017 in Deutschland per Gesetz homosexuellen Paaren möglich ist, den Bund der Ehe zu schließen, wird mittlerweile fast flächendeckend die Angabe eines dritten "sonstigen" Geschlechts, beispielsweise in Umfragen oder Stellenanzeigen, akzeptiert. In weiten Teilen der westlichen Gesellschaft werden Männer und Frauen heutzutage als ebenbürtig angesehen. Allerdings ist nicht von der Hand zu weisen, dass Personen, die als Mann geboren sind und die männliche Pubertät vollzogen haben, aufgrund der hormonellen Unterschiede in einigen Aspekten der sportlichen Leistung im Durchschnitt bessere Grundvoraussetzungen mit sich bringen.

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In den vergangenen Jahren haben wir mehrfach über Transgender-Athleten, meist Transfrauen, berichtet, die sich insbesondere im Sport des Powerliftings für ihre Teilnahme an Wettkämpfen einsetzen. Die endgültige Entscheidung über diese Regelungen nimmt jeder Verband selbst vor. Während sich die International Powerlifting Federation (IPF) als Mutterorganisation im Kraftdreikampf an den Richtlinien des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) orientiert, haben Tochterverbände wie USA Powerlifting von ihrem Recht Gebrauch gemacht und Transgender-Athleten zunächst komplett von ihren Wettbewerben ausgeschlossen. Seit diesem Jahr bietet der Powerlifting jedoch eine dritte Kategorie an, in der Transgender-Athleten sich untereinander messen können.

Bisher waren der Sportverband der Word Athletics (IAAF) sowie das IOC der Ansicht, dass zwölf Monate der medikamentösen Hemmung des Testosteronspiegels bei Transfrauen ausreichen, um einen fairen Wettbewerb zu gewährleisten. Wie wir in vorherigen Artikeln beschrieben haben, nimmt das primäre männliche Geschlechtshormon innerhalb des natürlichen Bereiches einen linear positiven Einfluss darauf, wie viel Muskelmasse ein Mensch unabhängig des Trainings besitzt. Wie viel Muskelmasse man darüber hinaus jedoch durch Krafttraining prozentual zusätzlich zu diesem Ausgangswert aufbauen kann, scheint sich zwischen Männern und Frauen nicht signifikant zu unterscheiden. Das bedeutet im Klartext, dass ein Mensch mit einer größeren Grundmuskelmasse aufgrund eines höheren Testosteronspiegels am Ende absolut gesehen mehr Muskelmasse und Kraft aufbauen kann als ein Mensch mit einer geringen Grundmuskelmasse.

In der natürlichen Range: Wie einflussreich ist der körpereigene Testosteronspiegel auf den Muskelaufbau?

Das primäre männliche Geschlechtshormon Testosteron hat insbesondere beim Mann maßgebliche Auswirkungen auf den Muskelaufbau. Nicht umsonst injizieren es sich unterstützte Bodybuilder als Basis von so gut wie jeder Steroidkur, bei der die körpereigene Produktion meist um ein Vielfaches überstiegen wird. Die Frage ist jedoch, wie sehr der natürliche Testosteronspiegel den Muskelaufbau bei naturalen Athleten innerhalb […]

Die Studie

Da die vorteilhaften körperlichen Voraussetzungen eines höheren Testosteronspiegels nicht mit dem Tag verschwinden, an dem die Hormonproduktion bei einem männlichen Transgender-Athleten gehemmt und so auf das Niveau einer Frau herabgesenkt wird, stellten sich die Forscher die Frage, ob ein Jahr der Therapie ausreichend ist, um einen fairen Wettkampf zu ermöglichen [1]. Dafür sammelte man die Ergebnisse von Fitness-Tests sowie ärztliche Aufzeichnungen von 29 Transmännern und 46 Transfrauen, die ihre hormonelle Geschlechtsumwandlung begannen, während sie in der US Air Force dienten und entsprechend regelmäßig diesen Tests unterzogen wurden. Vergleichen wurden die Daten mit den Ergebnissen der durchschnittlichen körperlichen Leistung aller Männer und Frauen, die zwischen 2004 und 2014 in der amerikanischen Luftwaffe waren. Weiterhin analysierte man die Rate der hormonell beeinflussten Veränderung der Körperzusammensetzung und athletischen Leistung der Teilnehmer.

Die US Air Force unterzieht all ihren Mitgliedern im Abstand von sechs bis zwölf Monaten einer körperlichen Bestandsaufnahme. Diese umfasst neben der Messung von Körpergröße, Körpergewicht und Taillenumfang auch die Zahl der Liegestützen und Sit-ups, die die Männer und Frauen in einer Minute absolvieren können, sowie die Zeit, die sie benötigen, um 1,5 Meilen, umgerechnet etwa 2,41 Kilometer, zu laufen. Daher war es für die Forscher relativ einfach, die benötigten Daten für ihre Analyse auch ohne zusätzliche Interventionen und Experimente an Transgender-Athlet zu sammeln.

Powerlifting: Verband stellt neue Regel bzgl. Transgender Personen vor.

Wenn eine Person, die zwar als Mann geboren wurde, sich jedoch selbst als Frau identifiziert, dann könnte man diese Person als einen Transfrau bezeichnen. Umgekehrt gibt es auch Transmänner, wobei es für beide Varianten mehrere Begriffe gibt, aus denen man wählen kann. Doch was passiert, wenn ein Mann an sportlichen Wettbewerben wie im Powerlifting teilnehmen […]

Die Ergebnisse

Männer, die mit Testosteronhemmern und Östrogenen eine Geschlechtsumwandlung zur Transfrau vollzogen, nahmen an Körpergewicht und Fettmasse zu, wohingegen bei den Frauen, die mit Hilfe einer Testosterongabe zum Transmann wurden, keine Veränderung der Körperzusammensetzung beobachtet werden konnte. Allerdings fand man in beiden Geschlechtern eine Veränderung der körperlichen Leistung, die auf einen Vorteil beziehungsweise Nachteil der Transgender-Athleten hindeuten.

Vor Beginn  ihrer hormonellen Geschlechtsumwandlung konnten die Transfrauen 31 Prozent mehr Liegestütze und 15 Prozent mehr Sit-ups in einer Minute absolvieren sowie 21 Prozent schneller laufen als ihre von Geburt an weiblichen Kolleginnen. Nach zwei Jahren der verweiblichenden Therapie waren die Unterschiede bei den Liegestützen und Sit-ups ausgeglichen, doch die Transfrauen benötigen weiterhin zwölf Prozent weniger Zeit, um den Lauf über die rund 2,41 Kilometer zu absolvieren.

Die Transmänner hingegen schafften vor der Therapie 43 Prozent weniger Liegestütze und waren 15 Prozent langsamer als der Durchschnitt der von Geburt an männlichen Soldaten. Nach einem Jahr der Testosterontherapie bestand in diesen beiden Tests kein signifikanter Unterschied mehr. Allerdings erreichten sie eine höhere Anzahl an Sit-ups als der männliche Durchschnitt.

Die Studie beobachtete, dass es für die meisten Parameter deutlich länger als ein Jahr braucht, damit Transgender-Athleten gegenüber ihren Mitstreitern keinen sportlichen Vorteil oder Nachteil mehr aufweisen.[/caption]

Interpretation der Daten

Die Forscher erkennen an, dass ihre Analyse keine Veränderung des Trainingsverhaltens über die Zeit mit einbezieht und mehr Daten notwendig sind, um den Einfluss der Geschlechtsumwandlung auf die körperliche Leistung an Elitesportlern notwendig sind. Diese Daten zu erheben, dürfte allerdings schwierig sein, da man aus ethischen Gründen keine beliebige Gruppe männlicher Sportler zu Transfrauen und Sportlerinnen zu Transmännern machen kann, um im Zuge dessen zu beobachten, wie sich ihre Leistung bei gleichbleibendem Training entwickelt. Man könnte nur Athleten beobachten, die sich freiwillig für eine Geschlechtsumwandlung entscheiden und bereit erklären, ihre Leistungen von Forschern auswerten zu lassen.

Dennoch schlussfolgern die Wissenschaftler, dass ihre Studie darauf hindeutet, dass es mehr als zwölf Monate der Testosteronsuppression benötigt, den unfairen Vorteil von einem weiblichen Transgender-Athleten in Bezug auf die sportliche Leistung zu neutralisieren, um an einem Wettbewerb teilzunehmen. Weiterhin schreiben sie, dass sie eine Dauer der Körperveränderung über mehr als ein Jahr durch Testoseronsuppression empfehlen, wenn es darum geht, Richtlinien für die Einbeziehung von Transfrauen in sportliche Wettkämpfe für Frauen aufzustellen.

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Fazit und Zusammenfassung

Die aktuellen Daten zeigen, dass ein Mann, der sich für eine Geschlechstumwandlung zur Transfrau entscheidet, nicht automatisch seine körperlichen Vorteile verliert, sobald sein Testosteronspiegel gehemmt wird und er Östrogene einnimmt. Ebenso ist eine Frau, die durch Medikamente einen Testosteronspiegel aufweist, der einem Mann gleicht, nicht automatisch auf gleichem körperlichen Niveau. Derartige Veränderungen brauchen Zeit und die vorliegende Studie veranschaulicht, dass die aktuellen Richtlinien des IOC und der IAAF wahrscheinlich überarbeitet werden müssen.

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Primärquelle: BMJ. "Current treatment period may be too short to remove competitive advantage of transgender athletes: 12 months is period proposed by World Athletics and International Olympics Committee." ScienceDaily.

Literaturquellen:

  1. Roberts, Timothy A., Joshua Smalley, and Dale Ahrendt. "Effect of gender affirming hormones on athletic performance in transwomen and transmen: implications for sporting organisations and legislators." British Journal of Sports Medicine (2020).
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